Sonntag, 10. Januar 2016

Blau Machen

Hallo lieber Leser,

pünktlich nach einer Woche melde ich mich zurück, denn wie bereits letzten Sonntag angekündigt wird mein Blog jetzt doch wieder zu einer wöchentlichen Angelegenheit. Jeden Sonntag wird es von mir also etwas zu lesen und zu sehen geben. Wie Du siehst hat mein Blog ein neues Layout, bekrönt von meinem neuen Maskottchen, entworfen und gezeichnet von der lieben und talentierten Nicole. Ich finde es sehr gelungen und hoffe es gefällt Dir auch. Das niedliche Schaf kommt auch auf meine Visitenkarten, die gerade im Druck sind. Vielleicht kann ich sie Dir nächste Woche ja schon zeigen...abwarten!

In der vergangenen Woche habe ich sehr viel gesponnen, kann Dir aber leider nicht viel mehr vorzeigen, als meine auf er Kreuzspindel gesponnenen rote Wolle. Meine Spindeln werden dicker und auch mein Spinnrad wird fleißig besponnen, denn ich plane einen Pullover für meinen Freund. Da steht mir allerdings noch einiges an Arbeit bevor, ich habe bisher ungefähr 150 Gramm gesponnen... von 600 benötigten... Wie dem auch sei, ich habe es ja nicht eilig!
Auch dieses Wochenende habe ich sehr viel gesponnen und mir mal eine Auszeit vom Alltag gegönnt und habe blau gemacht (übrigens indem ich blaue Wolle gesponnen habe).
Dieser Ausdruck "blau machen" führt mich übrigens zu einem Thema, mit welchem ich mich in der nächsten Zeit mal etwas genauer auseinandersetzen möchte: Redewendungen und ihre Bedeutung und Herkunft.
Ich glaube "blau machen" ist ein recht bekannter Ausdruck für "faul sein" oder "krankfeiern" und kommt daher, dass die Indigofärber früher warten mussten bis die Textilien nach dem Färben von grün zu blau oxidierten.
Ich suche also Redewendungen und Du kannst mir gerne dabei helfen, indem du mir einen Kommentar schreibst. Im Vordergrund stehen Redewendungen aus dem Textilbereich (Kleider machen Leute, in etwas verstrickt sein, den Faden verlieren, ein nahtloser Übergang,...), aber auch Sprüche aus Handwerken möchte ich sammeln (Schuster bleib bei deinen Leisten...). Das ganze soll keinen wissenschaftlichen Anspruch haben, aber ich finde das Thema ziemlich spannend und dachte, dass man sich damit ja mal auseinandersetzen könnte... Aber das gerade nur nebenbei. Und wie gesagt; über Mithilfe würde ich mich freuen

Ich denke damit bin ich für diese Woche auch schon wieder am Ende!
Ich hoffe der Blog hat Dir gefallen, auch wenn er diesmal nicht herausragend informativ war. Wir sehen uns hoffentlich nächsten Sonntag wieder

Deine Seidenraupe


!

Sonntag, 3. Januar 2016

Wieder da

Hallo mein lieber Leser,

nach eineinhalb Monaten finde ich endlich wieder die Zeit mich an meinen Blog zu setzen. Wie Du vielleicht mitbekommen hast, habe ich im November und Dezember auf dem Weihnachtsmarkt gearbeitet. Da war nebenbei leider nicht viel Zeit für mediale Berichterstattung über meine Projekte. Der Weihnachtsmarkt war zwar insgesamt ziemlich nervenaufreibend, aber das milde Wetter und meine liebe Arbeitskollegin haben es angenehmer gemacht! Ein großer Pluspunkt war natürlich auch, dass man, während man am Stand war, nebenbei handarbeiten konnte. So entstanden auf dem Weihnachtsmarkt zwei Paar Socken (eine Auftragsarbeit und ein Geschenk). Das verschenkte Paar war recht aufwendig mit Bandlogo gestrickt. Leider habe ich natürlich versäumt sie zu fotografieren bevor ich sie verschenkt habe! Naja, vielleicht kann ich noch nachträglich ein Bild organisieren. Das zweite Projekt war mein schon länger geplanter Poncho, auf den ich wirklich stolz bin. Das Bild folgt auch hier später. (Vor allem weil ich heute zu faul bin mich aus meinen Schlabberklamotten zu bemühen).

Wie dem auch sei, nach dem Markt kam Weihnachten und danach noch ein kurzer, aber feiner Urlaub an der Ostsee mit der Familie meines Freundes mit Wanderung, Seebrückenfeuerwerk und Anbaden . Deshalb bin ich auch erst jetzt wieder für Dich da - Dafür aber umso motivierter!

Ich ziehe in Erwägung meinen Blog doch wieder wöchentlich zu schreiben, aber darüber werde ich Dich die Tage noch in Kenntnis setzen. Ich freue mich jetzt auf jeden Fall wieder auf ausgiebiges Spinnen (das war auf dem Weihnachtsmarkt doch immer etwas schwierig) und tausende Ideen habe ich natürlich auch schon wieder!
Für den Anfang habe über Silvester alle Spindeln, außer die Kreuzspindel, leer gemacht und starte sozusagen neu. Gestern und heute habe ich alle Spindeln wieder neu angesponnen. Die süße Spindel mit dem runden Wirtel war übrigens ein Weihnachtsgeschenk von meiner Mum. Von meinem Weihnachtsgeld habe ich mir ein paar schöne Kammzüge bestellt und ich warte noch auf die letzte Lieferung. Außerdem habe ich von meiner Kollegin noch einen wunderschön geflochtenen Korb für meine Wolle bekommen. In dem sammle ich alles was ich mit meinen Handspindeln spinne und der Korb ist bei Weitem noch nicht voll!
Momentan häkel ich übrigens noch an einem Granny-Square Tuch aus tollen Fasern. Anbei schon mal ein Bild davon ;)

Tja... ich denke das war für den Anfang erstmal alles... Jetzt bleibt quasi noch das Übliche: Ich hoffe Du hattest schöne Weihnachten und einen guten Rutsch. Ich wünsche Dir für das folgende Jahr alles erdenklich Gute und ich hoffe, dass wir uns noch öfter lesen werden!

Ganz liebe Grüße
Deine Seidenraupe


Mittwoch, 11. November 2015

Anleitung für einen Hahnentritt-Loopschal


Hallo lieber Leser,

ich habe mal wieder eine Anleitung für Dich. Passend zur Jahreszeit ist es diesmal ein schöner Rundschal im "Hahnentritt" Design.
Das Hahnentrittmuster ist eigentlich ein Stoffmuster. Es entsteht, wenn man beim Weben zwei Farben aller zwei Fäden variiert (zwei schwarz, zwei weiß, zwei schwarz usw.). Und das sowohl beim Kett- als auch beim Schussfaden. Glücklicherweise gibt es dafür auch eine Strickvariante, denn ich persönlich liebe dieses Muster. Ich finde es sehr klassisch.

Falls ihr noch niemals zweifarbig gestrickt habt, ist dieses das perfekte Einsteigermuster. Für mich war es auch der - erfolgreiche!- Versuch das Fair Isle stricken zu Lernen.

Die Grundidee dieses Schals stammt von dieser kostenlosen Ravelry-Anleitung auf die ich durch Chantimanou aufmerksam geworden bin. Der Clou hier ist, dass der Loop nicht direkt in "Kopfgröße" rundgestrickt wird, sondern als Schlauch, der anschließend zum Loop geschlossen wird. Quasi wie ein Schal den man am Ende zum Rundschal schließt. (Bei der Ravelryanleitung gibt es eine Skizze, falls Du mein Gefasel nicht verstehst). Das Tolle hierbei ist, dass man erstens keine Rückseite hat (gerade für Fair-Isle vorteilhaft, wegen der losen Rückfäden) und der Loop hat automatisch doppelte Dicke und Wärme!


Du brauchst:
- Wolle in zwei Farben. Komplementär- und Kontrastfarben eignen sich besonders gut. Schwarz und weiß wären klassisch. Menge hängt von der gewünschten Länge ab. Ich habe jeweils 100 g pro Farbe benutzt.
- passende Rundstricknadel mit 20 cm Seil

So wird´s gemacht:


- im provisorischen Maschenanschlag schlägst Du so viele Maschen an, damit Du auf deiner Rundnadel bequem rund stricken kannst. Die Maschenanzahl für das Hahnentrittmuster muss durch 4 teilbar sein. (In meinem Fall mit 2,5er Nadel und recht dünner Wolle habe ich 124 Maschen angeschlagen)
- stricke im Muster bis Du die gewünschte Länge Deines Schals erreicht hast. Ich habe ihn recht kurz gestrickt, damit ich ihn wie einen Kragen tragen kann -> superwarm!!!
-mit dem Maschenstich verbindest Du die letzte Reihe mit dem provisorischen Anschlag - Voila das war es auch schon!

Hier siehst Du die Naht mit Maschenstich. Hier habe
 ich einfarbig gearbeitet, sonst wäre es zu friemelig geworden.
Im Schal selbst fällt es aber nicht störend auf.
Dir wird vielleicht auffallen, dass Du beim Rundenstricken an der Übergangstelle zwischen den Runden das Muster nicht exakt einhalten kannst, es entstehen mal 2 und mal 4 Maschen einer Farbe hintereinander. Das fällt hinterher aber gar nicht auf. Als ich vorhin versucht habe meinen Übergang zu fotografieren, habe ich ihn gar nicht mehr gefunden. Und falls Du ihn doch als störend empfinden solltest, drehst du die Stelle einfach nach Innen!

Ich hoffe, Dir gefällt die Anleitung und sie ist verständlich. Über Feedback oder nachgearbeitete Loops würde ich mich freuen. Du kannst auch gerne ein Foto auf meiner Facebookseite posten!
Falls Du die Anleitung gerne als PDF hättest, schreib mir eine kurze Mail an seidenraupenwolle@web.de

Bis hoffentlich bald!
Deine Seidenraupe

Habe gleich noch einen Loop angefangen. Diesmal aber ohne Muster
mit tollem lilanem Crepe-Garn



Freitag, 30. Oktober 2015

Socken und Sonstiges

Hallo lieber Leser,

ich dachte, es ist mal wieder an der Zeit mich bei Dir zu melden und deshalb sitze ich jetzt brav hier und schreibe.
In den vergangenen zwei Wochen hieß es erstmal sich wieder in das Unileben einzufinden. Jede Art von Zeit zwischendrin ist natürlich für mein Hobby draufgegangen. Ich habe unglaublich ausgiebig mit meinen unterschiedlichen Handspindeln gesponnen und verschiedene Fasern und Farben ausprobiert. Mein besonderer Stolz gilt meinem kleinen Baumwollgespinnst, dem erstem perfekten Baumwollgarn das ich gesponnen habe. Perfekt insofern, als dass es
beim Navajoverzwirnen kein einziges Mal gerissen ist - ich denke ich habe endlich den Bogen raus!!!

Projekttechnisch habe ich auch Fortschritte gemacht: Ich kann endlich Socken stricken! Nachdem ich mich jahrelang über die diffusen Anleitungen geärgert habe und das Arbeiten mit dem Nadelspiel super nervig fand, habe ich mich endlich aufgerafft. Mit Erfolg! Der Grund dafür ist eigentlich, dass sich mein Freund seit Jahren beschwert, dass er auch "bestrickt" werden will. Die Socken haben sich hierbei irgendwie als Wunsch bei ihm festgesetzt.
Das Schlimme ist eigentlich, dass Sockenstricken für mich immer das "Omading" schlechthin war und ich mich immer gefragt habe was daran so spannend sein soll... und leider weiß ich es jetzt... Es macht wirklich Spaß. Aber naja, dann werde ich jetzt wohl zu der Person in der Familie die allen zu Weihnachten Socken schenkt.

Ich könnte jetzt noch mehr erzählen von all den Dingen an denen ich gerade parallel arbeite, aber ich denke, dass hebe ich mir für den richtigen Moment auf! Ich möchte nur noch mal das Interview erwähnen, dass der liebe Volly Tanner mit mir gemacht hat. Finden kannst Du das Ganze hier.

Jetzt wünsche ich erstmal ein schönes Wochenende und bis bald!
Deine Seidenraupe

Dienstag, 13. Oktober 2015

Pflanzenbunt - mal wieder!

Huhu lieber Leser!


Die letzte Zeit war mal wieder sehr spannend für mich. Gerade in den letzten zwei Wochen habe ich mit unglaublich vielen Menschen gesprochen und viele kennengelernt.
Vergangenes Wochenende war beispielsweise im Leipziger Felsenkeller ein Kreativmarkt bei dem ich, mit Unterstützung des Makerspace, Workshops anbieten konnte. Viele Leute haben ihre ersten Spinnversuche gewagt und einige sind auch gleich auf dem potenziellen neuen Hobby hängengeblieben - was mich persönlich natürlich total freut!
Auch für die Zukunft sind einige Dinge geplant für die ich Untersützung bekommen werde. Aber dazu möchte ich noch gar nichts weiter verraten, sondern noch geheimnisvoll verbergen... Du wirst es bald erfahren!

Zu meinen persönlichen Projekten sei dies gesagt: ich bin momentan wieder auf einem totalen Handspindel-Trip. Während ich das vergangene Jahr vorwiegend am Spinnrad gesponnen habe, bin ich jetzt gerade total auf meine Handspindeln fokussiert. Sie sind halt überall schnell zur Hand und man kann verschiedene Fasern gleichzeitig spinnen. Außerdem kann ich jetzt mal meine ganzen Reste verbrauchen... Am Spinnrad tendiere ich immer dazu gleich größere Projekte zu planen wofür ich viel Wolle der gleichen Art brauche. Theoretisch sollte ich auch mal mehr stricken und häkeln... ich habe so viel Garn, welches mal verarbeitet werden will...


Jetzt aber mal zu meinen zwei letzten Färbereien!
Die erste Färbung war mal wieder eine Zwiebelfärbung mit braunen Schalen. Dieses Mal habe ich allerdings kein fertiges Garn, sondern Rohwolle gefärbt. Durch unterschiedliche Färbedauer, habe ich zwei unterschiedliche Gelbtöne herausbekommen. Diese habe ich anschließend miteinander kardiert um eine möglichst ungleichmäßig, melierte Wolle zu bekommen. (Bei der Färbung von Rohwolle, wird das Garn hinterher ja meistens ein wenig meliert). Das Ergebnis seht ihr hier und ich bin gespannt wie es verstrickt aussehen wird!

Meine zweite Färbung war eine Walnussfärbung. Hierbei muss ich meinem kleinen Bruder danken, der im Garten eifrig für mich die grünen Schalen gesammelt hat (er wartet auch schon gespannt darauf, dass ich ihm heute Abend das Ergebnis zeige). Eine Walnussfärbung ist wirklich denkbar simpel... Man braucht keine Beize und gekocht werden muss das ganze auch nicht! Das Ergebnis ist so toll geworden, dass ich hoffe, noch viele Schalen auftreiben zu können. Du hast nicht zufällig einen Walnussbaum?

Ich liebe diese natürlichen Farben, sie passen so gut zusammen und das Ergebnis ist immer individuell und einmalig!
Meine nächste Färbung ist auch schon geplant und zwar hat die liebe Bettina für mich rote Hibiskusblüten gesammelt - ich bin total gespannt!

Wenn Du noch gute Rezepte kennst mit Pflanzen, an die man als Stadtmensch ohne große Probleme bekommen kann und dir man als Nicht-Botaniker gut erkennt, dann würde ich mich über Tipps wahnsinnig freuen!

Jetzt wünsche ich erstmal einen schönen Tag und bis bald!
Deine Seidenraupe

Ps: Falls Du häufiger informiert sein möchtest was ich so treibe, dann schau doch einfach auf meiner Facebook-Seite vorbei!

Zwiebel- und Walnussschalen auf Seide

Mittwoch, 23. September 2015

Der Raupe neue Kleider

Hallo lieber Leser,

seitdem es jetzt an einigen Tagen schon spürbar herbstlich wird habe ich Lust bekommen mich mal am Kleidungsstricken zu versuchen. Schnell war dafür ein Kleid auserkoren. Gefunden auf der fantastischen Seite von Dropsdesign, für die die sie noch nicht kennen.

Die Geschichte der "Kleid-Entstehung" hast Du vielleicht schon auf Facebook mitbekommen. Insgesamt lief alles überraschend flüssig. Abwechselnd wurde Wolle kardiert, gesponnen oder eben verstrickt. Es wurde also nicht langweilig.
Die Schafwolle stammt übrigens aus der Umgebung, von verschiedenen Freunden und Bekannten von mir und zwar von einem weißen Merinoschaf und aus einem Gemisch von zwei braunen Schäfchen über deren Rasse ich nichts genaueres weiß - alles geschenkt bekommen! :)

Viel mehr gibt es eigentlich gar nicht zu erzählen. Du siehst hier noch einmal ein paar Bilder, die ich größtenteils schon auf meiner Facebook-Seite gezeigt habe.


Ich möchte abschließend noch einen Kommentar zu einigen Leuten verlieren, die derartige Arbeiten leicht ironisch mit "Öko" betiteln, weil es mich manchmal wirklich ärgert. Ich mache sowas nicht um "Öko" zu sein oder um auf eine derzeit populäre Welle aufzuspringen, sondern weil es mich freut etwas von Anfang an selbst zu machen, nur mit eigenen Mitteln und Können. (Dieses Schubladendenken nervt mich sowieso, aber das nur am Rande...). Ich beschäftige mich mit alten Fertigkeiten, einfach weil es spannend und entspannend für mich ist und darum geht es mir. Außerdem gibt es kein schöneres Gefühl, als etwas selbst zu "erschaffen" ;)
Ich hoffe, dieses kurze Statement verärgert keinen, aber es war mir mal wichtig das loszuwerden. Bitte nicht falsch auffassen.


Du hörst demnächst bestimmt wieder von mir, denn ich bin eifrig am Spinnen, Sticken und Nadelbinden und das Kleidungsstricken hat mich definitiv infiziert!!!

Schöne Tage wünscht
Deine Seidenraupe



Donnerstag, 3. September 2015

"Einiges über Seide" oder "Von Seidenspinnern und Leuten die Seide spinnen"

Hallo lieber Leser,

in den letzten zwei Wochen habe ich mich mal etwas ausgiebiger mit Seide beschäftigt und Seide gesponnen und möchte meine Erfahrungen gerne mit Dir teilen.

Seide wird, wie sicherlich bekannt ist, aus den Kokons der Seidenraupen gewonnen. Die Seide ist eine Proteinfaser, die von den Raupen durch eine Drüse produziert wird. Theoretisch ist es eine Endlosfaser, weil die Raupen sich ohne Unterbrechung verpuppen.

Die beiden Seidenarten die ich in den letzten Wochen versponnen habe sind Maulbeerseide und Tussahseide, wobei die erste von den Puppen des Maulbeerspinners und die zweite aus den Kokons des Eichenspinners gewonnen wird. Schon rein oberflächlich unterscheiden sich diese beiden Arten der Seide. Die Tussahseide ist etwas bräunlicher und der Faden auch minimal stärker als die reinweiße Maulbeerseide.
Es gibt aber noch einen anderen wichtigen Unterschied, der für einige vielleicht ein ausschlaggebendes Kriterium für den Kauf oder "Nichtkauf" von Seide darstellen wird. Die Maulbeerspinner werden heutzutage in großen Zuchtbetrieben (beispielsweise in Brasilien) aufgezogen und nach der Verpuppung der Raupen abgetötet. Dadurch gelangt man an den bereits erwähnten Endlosfaden, der dann einfach vom Kokon abgewickelt werden kann.

Bei der Tussahseide handelt es sich im Gegenzug um eine Wildseide. Hier wird der Kokon erst nach dem Schlüpfen des Schmetterlings verwendet. Der Faden ist somit an den Stellen, an denen sich der Schmetterling durch den Kokon "gefressen" hat, gerissen. Es ist also keine Endlosfaser mehr und die Qualität ist nicht ganz so hoch.
Die traditionelle Seidenraupenzucht funktionierte übrigens schon immer wie bei den Maulbeerraupen beschrieben, die Kokons wurden abgetötet.
Maulbeerseide, 97g, 730m, zweifädig
Ich denke, dass ist einfach eine Sache über die man mal Nachdenken sollte bevor man Seide spinnt oder sich Seidenstoffe kauft. Für einen Vegetarier ist es sicherlich ein Grund keine Maulbeerseide zu tragen, aber über die Verwendung von Tussah- oder anderen Wildseiden gibt es, meiner Meinung nach, keinerlei Bedenken. Die Kokons sind ja quasi nach dem Schlüpfen des Falters ein Abfallprodukt. Ich persönlich werde auch weiterhin  - in Maßen und mit Bedacht - Zuchtseide benutzen, da dieses Material faszinierend ist.

Jetzt würde ich aber gerne noch was über die Spinneigenschaften dieser beiden Fasern sagen. Die Maulbeerseide lässt sich, mit etwas Übung, sehr gut verspinnen. Es ist aber definitiv etwas anderes als Wolle zu verspinnen. Durch die sehr langen und vor allem sehr stabilen Fasern bedarf es einiger Kraft. Dafür aber liegen die Fasern super in der Hand und es fühlt sich fantastisch an. Maulbeerseide kann man bedenkenlos zu einem seeeeehr dünnen Faden verspinnen, denn Seide ist die reissfesteste Faser mit der ich bisher gearbeitet habe. Ich werde zukünftig sicherlich Stickgarne aus Seide herstellen. Die Maulbeerseide die ich hier gesponnen habe ist zweifädig, aber ich denke, dass man sie sogar einfädig sehr gut benutzen kann. Ich werde das demnächst mal überprüfen!

Tussahseide, 101g, 540m, dreifädig
Tussahseide lässt sich im Vergleich leichter spinnen, wenn man es gewohnt ist mit Wolle zu arbeiten. Das Gefühl habe ich als ähnlich empfunden. Auch diese Fasern gleiten weich durch die Hände, das Gefühl ist sehr schön! Allerdings wirkt der Einzelfaden im Vergleich zur Maulbeerseide recht stumpf, der "Seidenglanz" fehlt. Nach dem Verzwirnen (in meinem Falle Navajogezwirnt) kommt der Glanz jedoch ganz gut zur Geltung, wenn auch nicht so stark wie bei der Zuchtseide. Auch die Reissfestigkeit ist nicht ganz so ausgeprägt wie bei der Maulbeerseide, leider ist mit der sehr dünne Faden beim Verzwirnen 2-3 Mal gerissen...Der fertige Faden ist, trotz meines Frustes, jedoch wunderschön geworden und ich freue mich schon auf das Verarbeiten!

Als Fazit kann ich sagen, dass beide Fasern durchaus ihren Reiz haben und ich denke, ich werde mit beiden Fasern auch demnächst wieder arbeiten. Die Maulbeerseide vielleicht wirklich als Nähgarn oder als Beimischung zu anderen Fasern und die Tussahseide ist bestimmt fantastisch für leichte und edle Lacetücher.
Wie sind Deine Erfahrungen und wie stehst Du zur Seide? Seide wird ja vor allem gerne in Kammzügen beigemischt, nutzt Du solche Mischungen gerne? Über Kommentare oder Diskussionsbeiträge würde ich mich wahnsinnig freuen.

Zum Abschluss habe ich noch zwei interessante Dokus auf Youtube zum Thema Seide für Dich herausgesucht, die mir sehr gut gefallen haben.
Die Erste handelt von der Geschichte der Seidenraupenzucht und von den Seidenraupen an sich. Sie enthält viele spannende Fakten von denen ich vorher gar keine Ahnung hatte. Oder wusstest Du, dass man im 2.Weltkrieg in Privathaushalten Seidenraupen züchtete, weil Seide das einzige Material war um Fallschirme herzustellen? Hier mehr dazu: Doku Seidenraupen


Die zweite Dokumentation zeigt eine Seidenweberei in Kambodscha. Hier geht es aber um mehr als nur um Seide, es geht um die Verarbeitung des Bürgerkriegs. Ein wirklich bewegender Bericht, der mal wieder zum Denken anregt: Doku Kambodscha

Ich hoffe, Dir hat mein Artikel gefallen und Du konntest etwas mitnehmen! Mehr von mir gibts auf Facebook.


Ich wünsche Dir einen schönen Tag und bis bald!
Deine Seidenraupe